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Foodsharing

Geteiltes Essen, geteilte Sorgen, geteiltes Glück

So geht Foodsharing: Wer zuviel hat, der gibt es an jemanden, der es gerade brauchen kann

So geht Foodsharing: Wer zuviel hat, der gibt es an jemanden, der es gerade brauchen kann. Um einander zu finden, muss man seinen Essenskorb nur auf foodsharing.de eintragen

Die einen haben zu viele Lebensmittel, die anderen zu wenig Geld. Wenn alle miteinander teilen, macht das glücklich – auch die, die das Essen gerettet haben.

Eigentlich bin ich wegen einer Veranstaltung ins Nachbarschaftszentrum gekommen- dass es hier Essen gibt, wusste ich gar nicht. Leider, denn ich bin total satt, aber es sieht gesund und lecker aus. Und dazu gratis! Immer wieder werden die Leute angehalten, sich zu bedienen. Was nach einer Stunde noch übrig ist, wird eingepackt und den Besuchern in die Hand gedrückt. Ganze Brotlaibe, Äpfel und Birnen sind dabei. Vor allem ältere Damen ohne Begleitung greifen glücklich lächelnd zu.

Man könnte zwei Mal den Bodensee mit Lebensmittelmüll füllen

Diese Lebensmittel wurden vor der Mülltonnen gerettet von Foodsharern hergebracht. Das sind Lebensmittelretter, die Essen vor der Mülltonne retten. In Deutschland werden jedes Jahr nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums elf Millionen Tonnen an Lebensmitteln weggeworfen. „Eine Menge, die zwei Mal den Bodensee füllen könnte – 55 Kilogramm pro Jahr und Kopf sind es allein in den Privathaushalten“, erläuterte die Landwirtschaftsministerien Julia Klöckner im Februar, als die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie vorgestellt wurde. Danach soll die Lebensmittelverschwendung pro Kopf auf Einzelhandels- und Verbraucherebene bis 2030 halbiert werden.

Bereits 21.501.876 kg Lebensmittel vor der Tonne gerettet

Klingt gut, wird aber von den Foodsharern kritisiert, weil es lediglich auf freiwillige Maßnahmen der Unternehmen setzt. „Was wir als Tafel und Foodsharing retten, ist ein Tropfen auf den heißen Stein: Der Handel entsorgt das 10-fache“, erklärt David Jans, Vorstandsmitglied von „foodsharing e.V“. Für den Verein „foodsharing“ retten 47.000 registrierte Ehrenamtliche Lebensmittel aus dem Handel vor der Tonne, das sind die so genannten Foodsaver.

Die überregionale Plattform foodsharing.de hat bereits mehr als 200.000 registrierte Nutzer, die Essen teilen und verteilen. Sei es direkt von Privatperson zu Privatperson oder mithilfe von „Fair-Teilern“. Das sind öffentliche Regale und Kühlschränke, in die jeder registrierte Foodsharer überschüssige Lebensmittel legen und aus denen man sich kostenlos etwas nehmen darf. Welche Hygienevorschriften man dabei beachten sollte und was genau das Mindesthaltbarkeitsdatum bedeutet, steht auf foodsharing.de. Nach eigenen Angaben haben die Foodsharer bereits 21.501.876 kg Lebensmittel erfolgreich vor der Tonne gerettet.

Erst retten, dann kochen

Noch während ich den lächelnden Seniorinnen beim Einpacken zuschaue, spricht mich Maria an und lädt mich zum Kochen ein. Gemeinsam mit ihrem Mann Joachim organisiert sie etwa einmal pro Monat Volxküchen. „Wir retten keine Lebensmittel“, erklärt sie. „Aber wir arbeiten mit den Foodsharern zusammen.“ Sie kochen gemeinsam mit geretteten Lebensmitteln. Zum Beispiel am 30. März in den Räumen der Kirche St. Wendel in Frankfurt-Sachsenhausen.

Im April starten auch Beatrix Diehm und Isabell Adnane von „Lebensmittelfreunde Lebensfreude“ mit monatlichen „Resteküche“-Kochkursen im StadtRaum Preungesheim der Diakonie. Gekocht wird mit dem, was da ist. „Das ist wie Fasten, nur eben Fasten für die Küche“, erklärt Adnane, die seit mehr als drei Jahren Lebensmittel aus Supermärkten abholt und verteilt. 

Essen für alleinerziehende Mütter und Rentnerinnen

„Im Gegensatz zu Foodsharing haben wir fest eingeteilte Leute, die an festgelegten Tagen die Lebensmittel bei den Märkten abholen“, erklärt sie. 20 bis 30 Ehrenamtliche fahren immer zu zweit und holen die ausgemusterte Nahrung ab. Und auch die Empfänger sind festgelegt: „Wir verteilen das Essen vor allem an einen festen Kreis alleinerziehender Mütter und Omas in der Wohnanlage, “ so Adnane. „Die meisten trauen sich nicht, zur Tafel zu gehen, weil sie sich schämen, da gesehen zu werden. Und die Mütter arbeiten ja oft auch zumindest in Teilzeit und können vormittags gar nicht zur Tafel.“ Manche hätten bis zu sechs Kinder. 

Einander als Menschen begegnen

Samstagabends beliefern die Ehrenamtlichen die Bewohnerinnen der Seniorenwohnanlage. Für die Rentnerinnen sei das ein Event. Schon zwei oder drei Stunden vorher säßen sie oft zusammen in Erwartung der Lieferung – und lernten sich so auch untereinander kennen. Gerade die Seniorinnen seien sehr dankbar. „Die backen an Weihnachten für uns Plätzchen und erzählen uns jungen Menschen, was sie bewegt“, schwärmt Adnane. „Es ist total schön, wenn sich verschiedene Generationen so als Menschen bedanken und begegnen.“


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